Mehr Komfort bei mehr Energieeffizienz in der Gebäudeautomation – die Potenziale, Herausforderungen und Normen.

01.07.2025 | Johnson Controls

Die Gebäudeautomation (GA) gewinnt bei Bau- und Sanierungsvorhaben zunehmend an Bedeutung, da sie es möglich macht, den Komfort für die Nutzer zu steigern und gleichzeitig Energie effizient einzusetzen sowie dadurch Kosten und Emissionen zu senken. Anbieter von Gebäudeautomationslösungen wie Johnson Controls sehen sich hier in der Verantwortung, Systeme zu entwickeln, die einerseits den Vorgaben – insbesondere denen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) – vollständig gerecht werden und andererseits ein hohes Maß an Komfort für die Nutzer bereitzustellen und ihnen Kosten zu sparen. Im folgenden Beitrag zeigen wir, wie sich Komfort und Effizienz mithilfe moderner GA-Konzepte verbinden lassen, welche Technologien dabei die zentrale Rolle spielen und worauf Betreiber in Bezug auf § 71a GEG sowie anderer Bestimmungen achten müssen.

Bedeutung von Gebäuden im Kontext der Klimaziele

Gebäude verursachen global bis zu 40% der CO₂-Emissionen. Diese zu senken, ist eines der zentralen Ziele des derzeit gültigen Gebäudeenergiegesetzes (GEG 2024), das dabei in Teilen Maßnahmen der europäischen EPBD (Energy Performance of Buildings Directive) umsetzt. Mit dem aktuellen GEG 2024 ist jedoch die Gebäudeautomation in Neubauten verbindlich vorgeschrieben, weil sie als einer der entscheidenden Hebel zur Dekarbonisierung gilt. Zu Recht rückt die Gebäudeautomation damit immer stärker in den Fokus von Investoren, Planern und Betreibern. 

Komfort und Effizienz als zentrale Anforderung an die Gebäudeautomation

Doch warum ist die Gebäudeautomation so wichtig beim Erreichen der Ziele? Letztlich koordiniert die GA alle technischen Gewerke in einem Gebäude. Und nur über eine solche koordinierte Arbeitsweise der Anlagen kann sichergestellt werden, dass das gesamte Gebäude effizient betrieben wird. Effizient heißt in diesem Kontext neben energiesparend immer auch wirtschaftlich und kostensparend. 

Dabei ist der Komfort in einem Gebäude zentral: Gleichzeitiges Kühlen und Heizen z.B. sorgt nicht für mehr Komfort, sondern nur für „Energieverschwendung“. Hinzu kommt: Der wirkliche Komfort bemisst sich nicht allein in der gefühlten Temperatur. Er umfasst viele weitere Faktoren wie Luftqualität z. B. CO₂-, Feuchte- oder Schadstoffkonzentrationen.

Moderne Gebäudeautomationssysteme gehen über die reine Koordination der Gewerke weit hinaus: Ein sehr einfaches Beispiel ist ein Zeitprogramm, das die HLK-Anlagen nur dann laufen lässt, wenn sie gebraucht werden. Ein 8-stündiger Betrieb während der Nutzungszeiten eines Büros ist energetisch eben deutlich effizienter als ein 24-Stunden-Dauerbetrieb. Stehen Belegungsdaten der Räume zur Verfügung, kann die Regelung des Gebäudes optimiert werden und nur in den Räumen und an den Tagen Energie bereitstellen – sei es durch Heizen oder Kühlen –, in denen sie aktuell wirklich gebraucht wird.

Heute kann die Regelung der Innenraumtemperatur nicht nur abhängig von der aktuellen Außentemperatur erfolgen, sondern auch vorausschauend auf Basis einer eingebundenen Wettervorhersage, wodurch schon frühzeitig vom Heizfall auf den Kühlfall umgestellt werden kann. So kann die Energie durch die Berücksichtigung zukünftiger Wetterbedingungen sehr effizient eingesetzt werden. Bei sonnigem Wetter können zudem Verschattungssysteme wie Rollläden so rechtzeitig aktiviert werden, dass ein übermäßiges Aufheizen verhindert und der Bedarf an Klimatisierung sinkt. Nachts wiederum kann die kühlere Außenluft zur Vorabkühlung genutzt werden, damit tagsüber weniger Energie für die Klimaanlage anfällt. Und schließlich lässt sich auch das Beleuchtungsniveau automatisch regeln, indem Sensoren tageslichtabhängig Lampen dimmen oder abschalten.

Einsparpotenziale und Normen: DIN EN 15232 und VDI 3814.

Nationale und europäische Regelwerke wie das GEG (Gebäudeenergiegesetz) und die EPBD (Energy Performance of Buildings Directive) auf Europäischer Ebene geben der Gebäudeautomation eine wichtige Rolle bei der Erreichung der Energieeffizienz und beschreiben die Anforderungen an eine solche zu errichtende Gebäudeautomation. 

Allerdings schafft die bloße Installation einer Gebäudeautomation allein noch keinen Effizienzzuwachs. Vielmehr müssen zusätzlich zahlreiche konkrete Funktionen implementiert werden, die dann zu einem effizienteren Betrieb führen. 

In verschiedenen Regelwerken wird deutlich, dass sich mit solchen GA-Systemen deutliche Energieeinsparungen erzielen lassen. So wurde etwa in der bekannten Klassifizierung der DIN EN 15232 gezeigt, dass sich in Bürogebäuden bei entsprechend hohem Automationsniveau signifikante Einsparungen erreicht lassen. Neben Bürogebäuden können aber auch Einkaufszentren oder andere Nichtwohngebäude durch bedarfsgerechte Steuerungs- und Regelstrategien deutlich energieeffizienter betreiben werden. 

Die wichtige, bereits seit 1977 existierende Richtlinie und später zu einer Richtlinienreihe erweiterte VDI 3814 Gebäudeautomation (GA) beschäftigt sich intensiv mit der Gebäudeautomation. Diese in den letzten Jahren erneut überarbeitete Richtlinienreihe ist mittlerweile in 6 Blätter unterteilt und deckt damit alle Facetten ab: 

VDI 3814 Blatt 1 Grundlagen

VDI 3814 Blatt 2 Planung

VDI 3814 Blatt 3 Funktionen

VDI 3814 Blatt 4 Arbeitsmittel

VDI 3814 Blatt 5 Energieeffizienz

VDI 3814 Blatt 6 Qualifizierung von Personen

Gebäudeenergiegesetz (GEG): Schlüsselpunkte für die GA

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist seit 2020 in Kraft und vereint frühere Einzelregelungen (EnEG, EnEV, EEWärmeG). Es fordert einen bestimmten energetischen Standard für Gebäude und den Einsatz erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung. Für die Gebäudeautomation sind insbesondere folgende Aspekte relevant:

GEG § 71a: Energieüberwachungstechnik und Automationsgrad

  • Thermische Leistung > 290 kW
    Neue oder wesentlich sanierte Gebäude mit größerer Heiz- oder Kühlleistung müssen ab 2025 eine digitale Energieüberwachung installieren und mindestens den mittleren Automationsgrad (B) nach DIN V 18599-11 erfüllen.
  • Reduzierung des Schwellenwerts
    Ab 2030 wird dieser Grenzwert auf 70 kW herabgesetzt werden, was den Geltungsbereich deutlich erweitert und in der Folge auch mittlere bis kleinere Gebäude betreffen wird.

Das erforderliche Inbetriebnahmemanagement

Das GEG sieht zudem ein technisches Inbetriebnahmemanagement vor, um die Wirksamkeit der installierten Gebäudeautomations-Systeme sicherzustellen. Dazu gehören Prüfungen, Funktionskontrollen und Dokumentationen über mehrere Betriebsphasen hinweg. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass die geplanten Einsparungen auch tatsächlich eintreten.

Dieser Anspruch wird in der Richtlinie VDI 6039 verfolgt. Sie stellt Methoden und Vorgehensweisen vor, die eine ganzheitliche Organisation und den Nachweis der Gesamtfunktionalität von der Planung bis zum Betrieb sicherstellen. Das Ergebnis eines Inbetriebnahmemanagements soll ein funktionsfähiges Gebäude inklusiver aller Gewerke sein, welches den vollen Nutzen für den Auftraggeber vom ersten Tag der Nutzung an ermöglicht. 

Dieses Inbetriebnahmemanagement ist insbesondere deshalb wichtig, weil zwischen der ersten Planung und den Ausführungen häufig eine größere Zeitspanne liegt und dazwischen oft Änderungen gemacht werden, die dann leider nicht immer durchgängig (!) berücksichtigt werden. Auch kann sich die Gebäudenutzung im Laufe des Prozesses verändern, weswegen beispielsweise die Planungsdaten für ein Zeitprogramm am Ende dem realen Betrieb angepasst werden müssen.

Vorteile der Gebäudeautomation auf einen Blick

  1. Reduzierter Energieverbrauch
    Automatische, bedarfsgerechte Steuerung der technischen Anlagen senken den Verbrauch an Energie signifikant.
     
  2. Zuverlässiges Monitoring
    Betreiber behalten alle relevanten Echtzeitdaten im Blick und können Fehlfunktionen frühzeitig erkennen.
     
  3. Rechtssicherheit
    Das Einhalten der GEG-Vorgaben und Standards minimiert das Risiko von Fehlplanungen und vermeidet teure Nachrüstpflichten. 
     
  4. Wert der Immobilie
    Die Energieeffizienz wird sich zukünftig immer stärker auf den Wert der Immobilien auswirken. 
     
  5. Zukunftsfähigkeit
    Offene Schnittstellen ermöglichen auch langfristig Erweiterungen und Anpassungen an neue Technologien (z. B. KI-gestützte Analysen, digitale Zwillinge).

Typische Stolpersteine auf dem Weg zum effizienten Gebäude

Unklare Ausschreibungen
Nur durch eine Vernetzung aller technischer Gewerke kann die Wirtschaftlichkeit und Energieeffizienz durch die Gebäudeautomation erreicht werden. Das optimale Zusammenwirken der Gewerke muss daher schon in den Ausschreibungen gewährleistet sein. Wenn bei Ausschreibungen beispielsweise nicht klar formuliert wird, dass offene GA-Schnittstellen (z. B. BACnet) erforderlich sind, können inkompatible Insellösungen entstehen. Nachrüstungen sind in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit oft kritisch zu sehen. Denn eine fehlende Anbindung eines Gewerkes an die Gebäudeautomation verhindert unter Umständen sogar die Optimierungsmöglichkeit des gesamten Gebäudes, weil zum Beispiel eine einzelne Heizungsanlage oder eine isolierte Lichtsteuerung nicht einbezogen und damit ihre zuweilen erheblichen Auswirkungen auf den gesamten automatisierten Betrieb des Gebäudes nicht berücksichtigt werden können. 

Fehlende Schulung
Um das volle Potenzial der Gebäudeautomation ausschöpfen zu können, muss die gesamte Funktionalität auch in der Praxis genutzt werden. Hierzu bedarf es gut geschulten und kompetenten Personals. Wer in Betrieb und Wartung eingebunden ist, muss ausreichend in die GA-Systeme eingewiesen sein, um das volle Einsparpotenzial des Systems abrufen zu können.

Mangelhaftes Monitoring
Fehlt die kontinuierliche Überwachung, fallen Ineffizienzen in den Regelstrategien oft erst auf, wenn sie bereits höhere Kosten verursacht haben.

Die Zukunft: Digitalisierung, KI und Building Twin

Mit Blick auf die kommende Entwicklung wird die Gebäudeautomation zunehmend vermehrt von digitalen Technologien profitieren:

KI-gestützte Regelung
Algorithmen der künstlichen Intelligenz könnten Echtzeitdaten auswerten, dabei kontinuierlich dazulernen und daraus eigenständig Optimierungsvorschläge oder -maßnahmen ableiten.

Building Twin
Ein Building Twin oder digitaler Zwilling des realen Gebäudes kann sämtliche GA-Funktionen virtuell abbilden. Veränderungen oder Wartungen lassen sich damit virtuell testen, bevor sie im laufenden Betrieb umgesetzt werden.

Für Betreiber resultieren daraus langfristig weniger Wartungsaufwand, eine effizientere Betriebsführung und größere Transparenz über sämtliche Gewerke. Parallel wird der Komfort weiter steigen, da sich die Technik flexibel und teilweise selbsttätig an Rahmenbedingungen oder die Bedürfnisse der Nutzer anpasst.

Fazit

Komfort und Energieeffizienz ergänzen sich im Kontext moderner Gebäudeautomation. Eine smarte und bedarfsgerechte Gebäudeautomation steigert die Zufriedenheit sowie das Wohlbefinden der Gebäudenutzer und senkt den Energieverbrauch. Mit dem Gebäudeenergiegesetz (§ 71a GEG) 2024 werden für Gebäude mit hoher thermischer Leistung erste verbindliche Vorgaben zur Energieüberwachung und zum Automationsgrad definiert. Dies ist aber erst der Anfang. In den nächsten Jahren wird es hier einerseits weitere Verschärfungen geben, andererseits werden intelligente Lösungen zusätzliche Potenziale heben und auch dem Fachkräftemangel Rechnung tragen können.

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